Auf dem zur Niederlassung geeigneten Gebiet um die Burg bildete sich Zug um Zug das heutige Erscheinungsbild der Stadt aus. Die bewohnte Teile, die im Mittelalter „Schlossgrund” (váralja) bzw. „Winkel”(szeg) genannt wurden, bildeten anfangs keinen zusammenhängenden Raum. Die meist über eigene Kirche verfügenden Winkel wurden durch Wege mit der Burg und gewiss auch miteinander verbindet.
Die Winkel wurden nach den Schutzpatronen ihrer Kirchen benannt. Der Sankt Nikolaus Winkel, der als das älteste Stadtviertel betrachtet werden kann, lag auf dem Gebiet des heutigen universitären Stadtteils, sein Zentrum konnten die Kirche auf der heute Kálvária-domb (Kreuzweghügel) genannten Anhöhe und der Koma-Brunnen(Koma-kút) (sein früherer Name war Kama) bilden. Der Stadtteil wurde von Handwerker und Kaufleute bewohnt. Von Burg her führte ein Weg hierher, der durch einen mächtigen Wassergraben gekreuzt wurde, der das Niederschlagswasser von Süden in den Bach Séd ableitete. Der tiefe Abgrund namens Hosszú-árok (Langer Graben), Hosszú-völgy (Langes Tal) oder Ördög-árok (Teufelgraben) wurde durch eine Brücke überspannt (irgendwo in der Gegend des heutigen Komitatshauses(Megyeháza) – dadurch konnte man in Richtung Sankt Nikolaus Winkel überqueren. Unter anderem war dieser Graben die Ursache dafür, dass das Gebiet der heutigen Innenstadt, also der Teil zwischen dem Sankt Nikolaus Winkel und der Burg, lange unbewohnt war. Seine Bewohnung mit Bürgerhäusern begann nur nach der Vertreibung der Türken, im 17.-18. Jahrhundert. Der Graben wurde nur 1880 zugeschüttet.
Die Kirche des mittelalterlichen Sankt Margarete Winkels stand auf dem Hügel, wo heute am nördlichen Ende der Talbrücke (Völgyhíd, Szent István Völgyhíd) die Sankt Ladislaus Kirche (Szent László-templom) steht. Um diese Kirche erstreckte sich der am längsten gebrauchte mittelalterliche Friedhof der Stadt, nach dem die umliegenden Straßen (ein Teil des Stadtteils Dózsaváros(Dózsastadt)) auch heute Temetőhegy (Friedhofberg) genannt werden.
Auf trügerische Weise nennen die Veszprémer die Klosterruinen unterhalb der Burg Margarete Ruinen (Margit-romok), obwohl sie den Platz der Kirche und des Klosters des mittelalterlichen Sankt Katharina Winkels markieren. Den Namen „Margarete Ruinen” erhielten sie, weil die Tochter von König Béla IV., die später heiliggesprochene Margarete, nach dem Tatarenzug, zwischen 1246 und 1252 hier erzogen wurde.
Szenttamásfalva, das nördlich oder östlich von dem heute Benedikt-Berg genannten Fels lag, wurde von Bauern bewohnt. Die Stelle seiner ehemaligen Kirche kennt man nicht. Mit dem Sankt Nikolaus Winkel zusammen war diese Siedlung des Schlossgrundes im Mittelalter Besitz des Bistums.
Ebenfalls kennt man die Stelle der Kirche von Sárszeg (Schlammwinkel), des Stiftsstadtteils an der östlichen Seite des Schlossberges (die heutige Buhim Straße und das heutige Buhim Tal (Buhim-völgy)) nicht. Dieser Winkel wurde nicht wie die anderen nach dem Schutzpatron seiner Kirche, sonder wahrscheinlich nach dem wegen des Bachs Séd schlammigen, nassen Tal benannt. Außer des Gebiets von Sárszeg gehörten auch der Sankt Margarete Winkel und der Sankt Katharina Winkel zum Kapitel.
Im Bereich des heutigen modernen Stadtzentrums, Cserhát, lag im Mittelalter der Sankt Iwan Winkel (Szent Iván-szeg). Die Stelle seiner Kirche kennt man ebenfalls nicht, obwohl der Versuch zu ihrer Freilegung hier vielleicht noch größeren Erfolg hätte haben können, als im Falle der seit dem Mittelalter beinahe stetig bewohnten anderen Stadtteile. Die Stelle des vernichteten Sankt Iwan Winkels bevölkerte sich nämlich wieder im 18. Jahrhundert, aber im II. Weltkrieg hatte sie mehrmals Bombentreffer, so entschied man in den 1960er Jahren über den Abbruch der hier stehenden, von Handwerker, Kaufleute bewohnten Häuser. Bei dem Bau des modernen Stadtzentrums (z. B. Etagenwohnhäuser, Bástya Kaufhaus, „zwanzigstöckiges Hochhaus”) hätte man die Möglichkeit einer gründlichen archäologischen Ausgrabung gehabt, aber für die damalige Stadtleitung war "die Zukunft", also das sozialistische Stadtzentrum wichtiger als die Vergangenheit.
Die mittelalterlichen Winkel und ihre Bezeichnungen verschwanden im 16.-17. Jahrhundert, zur Zeit des Türkenkrieges. An ihrer Stelle bildeten sich vom Anfang des 18. Jahrhunderts unter neuen Namen neue Stadtteile heraus und sie entwickeln sich bis heute weiter (z.B. Friedhofberg, Cserhát).
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